Das Schlittschuhlaufen

 

 

                                            Ein Theaterstück

 

 

 

 

Personen: Ich

                der Bahnfeger

                Johanna

                Johann

                Elisabeth

                Friedhelm

                Die alleinige Frau

 

 

Ort: auf dem gefrorenen Fluß

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich:

Ich sehe Frauen, Kinder, Männer auf einem Fluß.

Der Fluß ist gefroren.

Der gefrorene Fluß wird in Abständen von einem Mann gefegt.

Dieser Mann heißt Bahnfeger.

Die Sonne scheint.

Der Himmel ist klar.

Die Sicht ist weit.

 

Bahnfeger:

Ich fege die Bahn.

Jedes Jahr fege ich die Bahn.

Die Leute grüßen mich.

Die Leute geben mir Geld.

Die Leute sind glücklich.

 

Ich:

Eine der Leute spricht.

Ich nenne sie Johanna.

 

Johanna:

Meine Brust wächst noch.

Das ist eigenartig.

Das in meinem Alter.

Was kann ich dagegen tun.

 

Ich :

Einer der Leute spricht.

Ich nenne ihn Johann.

 

Johann:

Einmal vor vielen Jahren war ich klein.

Ich war ein kleiner Junge.

Ich war ein ganz kleiner Junge.

Mein Großvater ging mit mir auf den Fluß.

Der Fluß war gefroren.

Mein Großvater nahm einen Stuhl mit.

Mein Großvater stellte den Stuhl auf den gefrorenen Fluß.

Mein Großvater setzte mich auf den Stuhl.

Mein Großvater band mir meine ersten Schlittschuhe unter die Füße.

Mein Großvater stellte mich hinter den Stuhl.

Mein Großvater sagte: Schiebe den Stuhl.

Mein Großvater sagte: So lernst du Schlittschuhlaufen.

Ich schob den Stuhl.

So lernte ich Schlittschuhlaufen.

 

Johanna:

Ich bin schon so alt.

Für eine Frau bin ich schon so alt.

Frauen werden immer älter.

Es ist gut daß Frauen immer älter werden.

 

Bahnfeger:

Früher gab es die Besen zum Bahnfegen überall.

In jedem Geschäft gab es die Besen.

In jedem Haus standen die Besen.

Heute gibt es die Besen nur noch im kleinsten Geschäft. Im allerkleinsten Geschäft.

Nur noch im allerkleinsten Geschäft gibt es nur noch heute die Besen.

Morgen wird es die Besen nur noch in der größten Stadt geben. Oder im fernen Land.

 

Ich:

Ein Mann kommt angelaufen.

Ich nenne ihn Friedhelm.

 

Friedhelm:

Wer gab mir diesen Namen. Friedhelm.

Dabei bin ich klein.

Viel zu klein.

Und habe immer noch Kinderlocken. Blonde Kinderlocken.

Mein Vater ist klein und dürr.

Meine Mutter ist klein und dick.

Beide hätten wissen müssen daß ich kein Friedhelm werden kann.

 

Ich:

Eine Frau kommt angelaufen.

Ich nenne sie Elisabeth.

 

Elisabeth:

Dieses Jahr kann ich wie die Fee über das Eis gleiten.

Das Eis ist glatt.

Dieses Jahr hat das Eis keine Löcher. Hat keine Risse.

Der Himmel ist blau.

Ich komme von weit her.

Wer ist das.

Wer bist du.

 

Johanna:

Ich bin die Johanna.

Ich komme von dort drüben.

Ich kenne dich nicht.

Hier kenne ich alle Leute.

 

Elisabeth:

Wo ist drüben.

 

Johanna:

Drüben ist bei dem Hof.

 

Elisabeth:

Ich sehe einen verfallenen Hof.

Meinst du den verfallenen Hof.

 

Johanna:

Ja.

 

Elisabeth:

Dort wohnt keine Frau mehr.

 

Johanna:

Du hast Recht.

Heute wohnt dort keine Frau mehr.

Früher wohnten dort auch Frauen.

Ich wohnte dort.

Ich wohnte dort oben unter dem Dach.

Oben unter dem Dach hatte ich mein Zimmer. Es war klein und es hatte schräge Wände.

Viele Puppen und Bären saßen auf dem Bett.

Und viele Puppen und Bären saßen auf dem Regal über dem Bett.

Im Stall standen die Kühe und stanken und dampften.

Im Garten schrien die Gänse.

Die Stachelbeeren wurden gepflückt und eingekocht.

 

Elisabeth:

Ja. Ja.

Wann gingst du an den Fluß.

 

Johanna:

Ich ging selten an den Fluß.

Ich erinnere mich schlecht.

Ich ging auf dem gefrorenen Fluß.

Daran erinnere ich mich.

An den anderen Fluß erinnere ich mich nicht.

 

Elisabeth:

Was tatest du auf dem gefrorenen Fluß.

 

Johanna:

Ich versuchte zu laufen auf dem gefrorenen Fluß.

Es war schwierig.

Ich hatte Angst.

Der Fluß war hart.

Mein Fleisch war weich.

Und kalt war es.

Der Wind blies gegen mich.

Der Wind war scharf.

Der Wind biß mit ins Gesicht.

Der Wind jagte mir in die Augen.

Der Wind fraß an meine Wangen.

Der Wind bohrte sich in meine Ohren.

 

Elisabeth:

Und der andere Fluß.

Was tatest du auf dem ungefrorenen Fluß.

 

Johanna:

Ich erinnere mich nicht.

 

Elisabeth:

Aber der andere Fluß war fast immer da.

 

Johanna:

Ja. So muß es gewesen sein.

Der andere Fluß muß fast immer dagewesen sein.

Ich erinnere mich nicht.

 

Ich:

Eine schwangere Frau geht auf dem gefrorenen Fluß.

Ich nenne sie die alleinige Frau.

 

Die alleinige Frau:

Ich bin die alleinige Frau.

Ich hörte von euch.

Aus der Ferne hörte ich von euch.

Ihr seid Johanna und Elisabeth.

Ich komme von weit her.

Hinter mir ist nichts.

Ich weiß nicht wohin ich gehen soll.

Ich bin eine Frau.

 

Elisabeth:

Du gehst in den Norden so wie du gehst.

Der Fluß führt in den Norden.

 

Johanna:

Der Fluß führt in den Norden in das Meer.

 

Die alleinige Frau:

Ich will nicht in das Meer.

Ich weiß nicht wohin ich gehen soll.

Ich weiß nicht wo ich herkomme.

Hinter mir ist nichts.

 

Johanna:

Ich gehe hinter dir her.

Dann ist etwas hinter dir.

 

Elisabeth:

Auch ich werde hinter dir hergehen.

Dann gehen Johanna und Elisabeth hinter dir her.

 

Die alleinige Frau:

Ich hörte von euch.

Aber das war wenig was ich von euch hörte.

Es reicht nicht.

Es reicht nicht daß ihr hinter mir hergeht.

Ich hörte zu wenig von euch.

Altes muß hinter mir hergehen.

Ganz Altes muß ich hinter mir herziehen.

Ganz alte Weiber muß ich hinter mir herziehen.

Ganz alte Weiber müssen mich vor sich herschieben.

Aber es gibt sie nicht.

Sie sind vermodert.

Selbst ihre Knochen sind vermodert und verwest.

Und deshalb hasse ich sie die alten Weiber.

 

Johanna:

Du haßt sie.

Weil sie vermodert und verwest sind.

 

Die alleinige Frau:

Ja.

 

Johanna:

Alle Alten sterben und vermodern und verwesen.

 

Die alleinige Frau:

Nur alte Weiber sterben und vermodern und verwesen.

Sieh den Bahnfeger.

Immer schon fegte er die Bahn.

Nur ich bin allein.

Nur ich muß mich und meinen Bauch alleine vor mich herschieben.

Ich hasse alle Weiber.

Seht meinen Bauch.

Ich bekomme eine Tochter.

Seht diesen Bauch.

So sieht der Bauch mit einer Tochter darin aus.

In den ersten Monaten war mir schlecht.

Nur bei einer Tochter ist mir schlecht.

Bei einem Sohn wäre mir nicht schlecht.

Bahnfeger. Komme her.

Fege mir eine Extra-Bahn.

 

Bahnfeger:

Ich fege keine Extra-Bahnen.

Aber.

Bei dir mache ich eine Ausnahme.

Weil du nicht Schlittschuhlaufen kannst. Jetzt.

Weil du den Bauch vor dir herträgst. Jetzt.

Hier. Sieh.

Eine kurze schmale Extra-Bahn fege ich für dich.

Trippel sie entlang.

Die lange breite Bahn ist gefährlich für dich jetzt.

 

Ich:

Ich sehe. Friedhelm kommt angelaufen.

Er dreht Pirouetten.

 

Friedhelm:

Bahnfeger. Erzähle mir. Wie werde ich so glücklich wie du.

 

Bahnfeger:

Friedhelm. Mein Name ist Bahnfeger.

Ich war gestern.

Ich bin heute.

Was tust du den ganzen Tag. Friedhelm.

 

Friedhelm:

Oh. Ich tue dies und ich tue das.

Mein Vater tat etwas anderes.

Einen Sohn werde ich nicht haben.

 

Bahnfeger:

Kaufe dir andere Schlittschuhe.

Ein Mann braucht andere Schlittschuhe.

Ein Mann dreht keine Pirouetten.

 

Friedhelm:

Ich bin klein und habe blonde Locken und heiße Friedhelm.

 

Bahnfeger:

Sieh mich an.

Groß bin ich und stark.

Dunkle Haare habe ich und die sind kurz.

 

Friedhelm:

Wo sind deine Schlittschuhe.

Du trägst keine Schlittschuhe.

 

Bahnfeger:

Aber nein.

Ich bin der Bahnfeger.

Ich fege die Bahn.

Ich brauche keine Schlittschuhe.

 

Die alleinige Frau:

Ihr da.

Ihr seid doch Männer. Oder.

 

Bahnfeger:

Ich bin der Bahnfeger.

 

Friedhelm:

Ich heiße Friedhelm.

 

Die alleinige Frau:

Das weiß ich.

 

Bahnfeger:

Was willst du wissen.

 

Ich will wissen wo ich herkomme.

 

Bahnfeger:

Dort hinten bist du auf das Eis gestiegen.

Gerade eben bist du eine kleine schmale Extra-Bahn entlang getrippelt.

 

Die alleinige Frau:

Und davor.

Wo gehe ich hin.

 

Friedhelm:

Was ist mir dir.

Bist du verwirrt.

Du bist verwirrt.

 

Die alleinige Frau.

Ich finde es nicht.

 

Elisabeth:

Auch ich komme von weit her.

 

Die alleinige Frau:

Woher.

 

Elisabeth:

Ich bin über das Meer gekommen.

 

Die alleinige Frau.

Wie ist es hinter dem Meer.

 

Elisabeth:

Ich war nicht hinter dem Meer.

Ich war im Meer.

Ich war auf einem festen Land im Meer.

Dann fuhr ich über das Meer in dieses feste Land.

 

Die alleinige Frau:

Warum.

 

Elisabeth:

Ich war die einzige Frau dort wo ich herkomme.

 

Die alleinige Frau:

Also hast du mich gesucht.

 

Elisabeth:

Dich.

Nein.

Ich weiß nicht wer du bist.

Du fällst mir auf. Wegen deines Bauches. Wegen deines Gehens.

 

Ich:

Johanna und Johann kommen angelaufen.

Sie halten sich an den Händen.

Sie kreuzen die Arme.

 

Johanna:

Wir machen jetzt alles gemeinsam.

Seht wie schön wir über das Eis gleiten.

Früher schon habe ich mit Johann gespielt.

Ich hatte es vergessen.

Ich vergesse so viel.

Johann erinnerte mich daran.

Er sagte. Johanna. Bedenke. Du spieltest schon einmal mit mir.

 

Elisabeth:

Ich spieltet mit den Puppen und den Bären.

 

Johann:

Nein.

Johanna spielte nie mit Puppen und Bären.

Johanna spielte immer mit mir.

Wir spielten Fußball und Raufen und Hauen und Stechen.

 

Johanna:

Da hört ihr es.

So war es.

Und ich hatte es vergessen.

Johann mußte mich erst daran erinnern.

Johann kniete vor mir nieder und band mir die Schlittschuhe fest.

Und jetzt laufen wir gemeinsam übers Eis.

 

Ich:

Ich sehe die beiden weiter gleiten.

 

Elisabeth:

Sage mir, alleinige Frau, warst du immer schon alleine.

 

Die alleinige Frau:

Aber nein.

Ich bin noch nicht lange alleine.

 

Elisabeth:

Seit wann bist du alleine.

 

Die alleinige Frau:

Seitdem ich diesen Bauch bekomme.

Seitdem ich eine Tochter bekomme.

Ja.

Seitdem bin ich alleine.

 

Elisabeth:

Du weißt. Es wird eine Tochter sein.

 

Die alleinige Frau:

In meinem Zustand kann alles in mir kann alles an mir nur Tochter sein.

 

Elisabeth:

Du bist noch nicht lange alleine.

 

Die alleinige Frau:

Ich lebte mit Männern und Kindern und Frauen.

Dann fing mein Bauch zu wachsen an und ich mußte gehen.

Ich spürte. Ich mußte gehen.

 

Elisabeth:

Alleinige Frau. Aus welchem Land kommst du.

 

Die alleinige Frau:

Ich komme aus dem Land der hölzernen Statuen.

Überall in dem Land ragen hölzerne Statuen empor.

Die hölzernen Statuen sind Köpfe von Frauen.

Nur Köpfe von Frauen.

Über die Maßen große Köpfe von Frauen ragen überall im Land empor.

Einige der hölzernen Köpfe sind über die Jahrhunderte hinweg verwittert und ergraut.

Einige der hölzernen Köpfe begannen zu faulen.

Das Holz war morsch geworden. Ein Ohr faulte weg. Eine Nase. Eine Wange.

In einige hölzerne Köpfe legten Insekten ihre Eier. Larven schlüpfen aus. Würmer kriechen umher. Sie höhlen die Köpfe aus.

Ich wanderte zwischen den hölzernen Statuen hindurch.

Ich suchte.

Ich schaute zu ihnen empor.

Ich schaute nieder.

Die Welt war klein.

Ich ging in die Irre.

Ich kniete mich hin.

Ich suchte am Boden.

Der Boden war schwarz und ohne Ende.

Ich kroch über ihn.

Ich fand Käfer, Insekten, Würmer und Larven.

Sonst fand ich nichts.

Ich kroch weiter. Immer weiter.

Ich wurde müde.

Ich brach zusammen. Ich schlief.

Ich wachte wieder auf.

Es war finster.

Ich hatte nicht lange geschlafen.

Ich mußte weiter.

Zuerst kroch ich weiter.

Dann konnte ich mich erheben.

Ich lief weiter.

Ich lief zwischen den hölzernen Statuen hindurch.

Sie waren schwarze Schemen.

Ich stieß mich an ihnen.

Ich wußte nicht ob sie lachten.

Ich wollte daß sie weinten.

Ich lief.

 

Und jetzt bin ich hier.

 

Einmal. Ein einziges Mal bin ich auf eine Statue geklettert.

Ich wollte ganz oben hinauf.

Oben auf dem Kopf wollte ich sitzen und wollte ins Land blicken.

Ich holte eine Leiter. Haken. Ein Seil.

Ich trug feste Schuhe.

Ich stellte die Leiter an die Statue.

Sie reichte bin an das Kinn der Statue.

Ich stieg die Leiter hoch.

Ich stand auf der obersten Sprosse.

Ich hatte das Kinn der Statue erreicht.

Ich strich über das Kinnholz. Es war glatt.

Ich legte meine Wange an das glatte Holz. Ich schloß die Augen.

Da schrie es über mir.

Ich sah nach oben.

Ich sah den Vogel.

Ich sah die großen Flügel.

Ich sah wie sein Kreis über mir enger wurde.

Ich sah wie er auf der Stelle stand.

Ich sah den hakenförmig gekrümmten Schnabel.

Ich mußte zurück. Oder weiter.

Über meinem Kopf war der Mund der Statue.

Ihre Unterlippe wölbte sich vor.

Sie war ein Sims über mir.

Ich hob die Arme.

Meine Hände erreichten die Oberseite der Lippe.

Dort war das Holz roh.

Der Vogel schrie.

Meine Füße stießen sich ab.

Meine Unterarme schoben sich auf die Lippe.

Jetzt blickte ich in den Mund hinein.

Der Mund war groß.

Der Mund war weit geöffnet.

Der Mund war hohl.

Der Vogel schrie.

Ich kroch hinein.

Ich kroch in den großen hohlen Mund hinein.

Draußen schrie der Vogel.

Draußen stürzte der Vogel hernieder.

Ich kroch weiter in das Finstere.

Und dann saß ich im Finstern und sah in das Helle hinaus.

Ich sah den Vogel.

Kurz vor dem Loch mußte er sich wieder hochziehen.

Und er zog sich hoch.

Ich lag auf dem Bauch im Mund.

Ich robbte mich zur Öffnung hin.

Ich streckte den Kopf heraus.

Ich blickte hoch.

Oben flog der Vogel.

Er setzte zum zweiten Flug auf mich an.

Ich kroch zurück. Zurück ins Dunkle.

Er konnte mich nicht sehen.

Ich sah ihn am Mund vorbeiziehen.

Ich wartete.

Ich harrte aus.

Alles blieb ruhig.

Der Vogel kam nicht zurück.

Ich steckte den Kopf heraus.

Der Vogel war verschwunden.

Ich kroch zurück.

Ich legte mich hin.

Ich spürte das rauhe Holz an meiner Wange.

Ich tastete mit meinen Fingern am Boden entlang.

Überall waren tiefe Rillen und Furchen.

Das Holz war an einigen Stellen gesplittert.

Ein Splitter schob sich unter meinen Zeigefingernagel.

Ich wollte ihn wieder herausziehen.

Er brach ab.

Ich blieb liegen.

Wieder schloß ich die Augen.

Ich lag und begann die Käfer zu spüren.

Sie krochen auf meine Beine.

Sie krochen in meinen Pullover.

Sie krochen in meine Ohren. Ich holte sie wieder aus meinen Ohren heraus.

Ich setzte mich auf.

Ich stieß mit meinem Kopf an den Gaumen.

Ein Stück Holz löste sich vom Gaumen. Es war morsch.

Ich hob meine Arme.

Ich tastete den Gaumen ab.

Überall konnte ich das Holz abbrechen.

Ich blickte nach hinten.

Ich konnte nichts erkennen.

Langsam und vorsichtig kroch in nach hinten.

Meine Arme und Hände streckte ich nach vorne aus.

Bis ich das Loch ertastete.

Meine Hände tasteten ins Leere.

Hier begann der Schlund.

Hier wollte ich nicht nach unten fallen.

Ich hatte keine Vorstellung wie weit ich nach unten fallen konnte.

Ich kroch zurück.

Zurück dem Hellen entgegen.

Ich kroch bis zum Unterlippenrand.

Und wieder steckte ich den Kopf hinaus.

Draußen war alles ruhig.

Ich sah hoch.

Der Himmel war blau.

Über mir ragte die Nase.

Ich sah die beiden Nasenlöcher.

Die Nasenlöcher waren schwarz.

Ich würde nicht hineinkriechen.

Wie konnte ich an der Nase entlang hochkommen.

Die Wangen waren aus glattem Holz.

Nirgends würde ich mich festhalten können.

Und die Augen.

Ich konnte die Beschaffenheit der Augen nicht erkennen.

Nicht einmal die Augenfarbe konnte ich von hier aus sehen.

Ich wollte auf den Kopf.

Oben auf dem Kopf wollte ich sitzen.

Oben auf dem Kopf wollte ich sitzen und ins Land blicken.

 

Es ist mir nicht gelungen.

Und nun bin ich hier.

 

Elisabeth:

Komm. Hake doch bei mir ein.

Wir folgen Johanna und Johann.

 

Die alleinige Frau:

Nein.

Wir beide können nicht Johanna und Johann folgen.

Sieh meinen Zustand.

Ich kann neben dem Bahnfeger hergehen.

Mehr kann ich nicht.

In dem Zustand.

Sieh dir meinen Zustand an.

Siehst du ihn.

Siehst du meinen Zustand.

Siehst du diesen großen vorgewölbten Bauch.

Antworte.

 

Elisabeth:

Er ist nicht zu übersehen.

 

Die alleinige Frau:

Also.

 

Elisabeth:

Aber.

 

Die alleinige Frau:

Ich bin empfindsam.

Keine bemerkt es.

Bahnfeger. Komme her zu mir.

 

Ich:

Ich sehe wie der Bahnfeger Friedhelm hinter sich herzieht.

 

Die alleinige Frau:

Friedhelm. Lege deine Hand auf meinen vorgewölbten Bauch. Dann bemerkst du das Kleine. Es zappelt.

 

Friedhelm:

Nein.

Das kann ich nicht tun.

Es gehört nicht zu mir.

 

Die alleinige Frau:

Du blonder Feigling.

 

Friedhelm:

Ich heiße Friedhelm und bin klein.

Ich werde keinen Sohn haben.

 

Elisabeth:

Komm her.

Ruh dich aus.

Wir gehen zu dem Steg da vorne.

Wir setzen uns.

 

Bahnfeger:

Ja. Geh.

Schon meine Mutter ruhte sich mehr aus.

Und später fege ich dir noch eine kleine Extra-Bahn.

 

Die alleinige Frau:

Das wird gut sein.

 

Bahnfeger:

Aber sicher.

Zu deinem Zustand müssen wir gut sein.

 

Ich:

Oh. Sie schließt die Augen.

 

Die alleinige Frau:

Komm Elisabeth. Gehen wir.

Gehen wir zum Steg.

Ich sollte mich ausruhen.

 

Ich:

Und die alleinige Frau hakt sich bei Elisabeth ein.

Elisabeth versucht ganz langsam auf den Schlittschuhen zu gleiten.

Und so erreichen beide den Steg.

 

Die alleinige Frau:

Ich bleibe ich sitzen.

Von hier aus schaue ich euch zu.

Wie ihr vor mir hin- und hergleitet.

Friedhelm. Drehe deine Pirouetten.

Elisabeth. Ich hörte von dir. Vor dir und Johanna.

Das ist lange her.

Bahnfeger. Komm her.

Fege mir nun meine kleine Extra-Bahn.

Ich warte.

Dann werde ich sie entlang trippeln.

Mehr kann ich nicht tun.

Das Andere muss kommen.